Temporäre Umleitungsbeschilderung lässt sich digital planen, wenn Umleitungsroute, Verkehrszeichen, Bauphasen und verkehrsrechtliche Anordnung als zusammenhängender Datensatz geführt werden. Die RUB geben den Rahmen für Umleitungen vor, das M TU ergänzt die Anforderungen für temporäre Aufstellungen. Der Verkehrszeichenplan verbindet diese Vorgaben mit der konkreten Örtlichkeit und dem Arbeitsstellenablauf.
Warum beginnt eine gute Umleitungsplanung nicht beim ersten Umleitungsschild?
Eine Vollsperrung einer Ortsdurchfahrt wirkt auf dem ersten Blick überschaubar: Arbeitsbereich festlegen, Umleitung suchen, Verkehrszeichen setzen, Plan einreichen. In der Praxis steckt die eigentliche Arbeit jedoch zwischen diesen Schritten. Eine Umleitungsroute muss nicht nur geografisch funktionieren. Sie muss zum zu erwartenden Verkehr passen, über geeignete Straßen führen und an jedem entscheidenden Knoten so ausgeschildert werden, dass der Verkehr der vorgesehenen Route tatsächlich folgen kann.
Hinzu kommen bestehende Wegweisung, Abbiegebeschränkungen, Gewichtsbeschränkungen, Höhenbeschränkungen, weitere Arbeitsstellen, ÖPNV, Lieferverkehr, Fuß- und Radverkehr sowie gegebenenfalls unterschiedliche Umleitungen für verschiedene Verkehrsarten. Eine Strecke, die auf der Karte wie der kürzeste Weg aussieht, kann betrieblich die falsche Lösung sein.
Auch rechtlich beginnt die Planung vor dem Aufbau. § 45 Absatz 6 StVO verlangt vor Beginn von Arbeiten mit Auswirkungen auf den Straßenverkehr die Einholung einer behördlichen Anordnung; Bauunternehmer müssen dabei grundsätzlich einen Verkehrszeichenplan vorlegen. Die Anordnung umfasst unter anderem, wie die Arbeitsstelle abzusperren und zu kennzeichnen ist, wie der Verkehr zu beschränken oder zu führen ist und wie gesperrte Straßen sowie Umleitungen gekennzeichnet werden.
Die digitale Planung sollte deshalb nicht nach dem Prinzip „Karte öffnen und Schilder hineinzeichnen“ funktionieren. Sinnvoller ist ein Datenmodell, das zuerst die verkehrliche Aufgabe beschreibt: Was ist gesperrt, wer muss umgeleitet werden, über welche Strecke soll dies geschehen, an welchen Entscheidungspunkten braucht der Verkehr Informationen und welche Beschilderung folgt daraus?
Erst danach wird daraus ein Verkehrszeichenplan.
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Welche Aufgaben haben RUB, M TU, RSA 21 und Verkehrszeichenplan jeweils?
In der betrieblichen Praxis werden RUB, M TU und RSA 21 gelegentlich wie austauschbare Regelwerke behandelt. Tatsächlich beantworten sie unterschiedliche Fragen.
Die Richtlinien für Umleitungsbeschilderungen – RUB, herausgegeben von der Forschungsgesellschaft für Straßen- und Verkehrswesen e. V., FGSV (https://www.fgsv.de/), behandeln die Systematik von Umleitungsbeschilderungen. Die derzeit veröffentlichte Ausgabe stammt aus 2021. Der aktuelle Veröffentlichungskatalog 2026 der FGSV führt sie weiterhin als FGSV 327 mit 48 Seiten. Teil A behandelt Umleitungen außerhalb von Autobahnen, Teil B Bedarfsumleitungen für den Autobahnverkehr und Teil C die Gestaltung und Ausführung der Beschilderung.
Das Merkblatt für den Einsatz von temporärer Umleitungsbeschilderung – M TU, ebenfalls von der FGSV (https://www.fgsv.de/), setzt genau dort an, wo eine temporäre Umsetzung zusätzliche praktische Anforderungen erzeugt. Die Ausgabe 2022 umfasst 52 Seiten. Das Merkblatt behandelt unter anderem Aufstellung, lichttechnische Anforderungen, Zeichengrößen, Schrift und Einsatzbereiche innerorts, auf Landstraßen und Autobahnen sowie den Fuß- und Radverkehr. Im Katalog werden insbesondere Varianten der Zeichenfamilie 455 und des Zeichens 458 behandelt.
Die RSA 21 wiederum behandeln die verkehrsrechtliche Sicherung von Arbeitsstellen an und auf Straßen. Sie unterscheiden innerörtliche Straßen, Landstraßen und Autobahnen sowie Arbeitsstellen längerer und kürzerer Dauer. Der FGSV-Verlag (https://www.fgsv-verlag.de/) stellt für diese Anwendungsbereiche insgesamt 96 Regelpläne zur Einsicht bereit. Die RSA 21 wurden vom Bundesministerium für Verkehr, BMV (https://www.bmv.de/), mit dem Allgemeinen Rundschreiben Straßenbau 24/2021 bekannt gemacht.
Der Verkehrszeichenplan ist schließlich das konkrete Projektartefakt. Er überträgt die verkehrsrechtlichen und technischen Anforderungen auf die tatsächliche Örtlichkeit und wird Bestandteil des Anordnungsprozesses nach § 45 StVO.
| Ebene | Hauptaufgabe | Typische Inhalte | Digitale Umsetzung |
|---|---|---|---|
| RUB | Systematik der Umleitung | Aufbau, Wegweisung, Umleitungsarten, Gestaltung | Regeln für Routentypen und Beschilderungslogik |
| M TU | praktische temporäre Umsetzung | temporäre Zeichen, Varianten, Aufstellung, Fuß- und Radverkehr | Zeichenvorlagen, Variantenkatalog, Aufstellparameter |
| RSA 21 | Sicherung der Arbeitsstelle | Absperrung, Verkehrsführung, Regelpläne, Arbeitsstellensicherung | Arbeitsstellengeometrie, Sicherungselemente, Bauphasen |
| Verkehrszeichenplan | projektbezogene Umsetzung | konkrete Standorte, vorhandene und temporäre Zeichen, Verkehrsführung | georeferenzierter Projektplan mit Versionsstand |
| Verkehrsanordnung | behördliche Festlegung | genehmigte Maßnahmen, Auflagen, Zeitraum | Freigabestatus und verbindlicher Planstand |
Digital sinnvoll wird diese Struktur dann, wenn nicht vier voneinander unabhängige Dateien entstehen, sondern die Ebenen miteinander verknüpft bleiben.
Wie wird aus einer Straßensperrung eine vollständige Umleitungsroute?
Die Sperrstelle ist nur der Ausgangspunkt. Eine Umleitung benötigt mindestens einen Ableitepunkt und einen Punkt, an dem der Verkehr wieder auf seine ursprüngliche Route zurückgeführt wird. Dazwischen liegt ein Netz aus Kreuzungen und Einmündungen, an denen der Fahrer entweder seiner Route folgt oder versehentlich abbiegen kann.
Gerade hier wird digitale Planung interessant.
Eine Umleitungsstrecke kann als Folge zusammenhängender Straßenabschnitte gespeichert werden. Jeder Knoten erhält eine Funktion: Ableitung, Vorankündigung, Richtungsentscheidung, Bestätigung, Fortsetzung oder Rückführung. Daraus lässt sich anschließend ableiten, wo überhaupt Umleitungsbeschilderung benötigt wird.
Das ist wesentlich belastbarer als eine Sammlung voneinander unabhängiger Schilderpunkte.
Wird beispielsweise ein Streckenabschnitt nachträglich geändert, sollte ein digitales System erkennen können, welche Schilderstandorte dadurch nicht mehr zur Route gehören und an welchen neuen Knoten zusätzliche Entscheidungen entstehen. Bei einer ausschließlich zeichnungsorientierten Planung müssen diese Zusammenhänge vom Planer erneut manuell nachvollzogen werden.
Die StVO sieht für temporäre Umleitungen unter anderem die Zeichen 455.1 und 457.1 vor; die Ankündigung kann auch mit Zeichen 458 als Planskizze erfolgen. Das M TU greift die Varianten temporärer Umleitungsbeschilderung mit Zeichen 455 und 458 systematisch auf.
Damit wird die Route zur eigentlichen Datenquelle und das einzelne Schild zu einem daraus abgeleiteten Objekt.
Warum ergänzt das M TU die RUB gerade bei kurzfristig eingesetzten Umleitungen?
Eine dauerhaft installierte Wegweisung und eine für einige Tage oder Wochen aufgebaute Umleitung haben zwar dieselbe Aufgabe – Verkehr führen –, aber völlig unterschiedliche betriebliche Voraussetzungen.
Temporäre Schilder werden angeliefert, aufgestellt, kontrolliert, möglicherweise umgesetzt und wieder abgebaut. Oft stehen sie in einem Straßenraum, in dem bereits umfangreiche ortsfeste Wegweisung vorhanden ist. Genau dort entstehen Konflikte: Der temporäre Hinweis muss zum richtigen Zeitpunkt wahrgenommen werden, darf nicht durch Bewuchs oder parkende Fahrzeuge verdeckt sein und muss mit der vorhandenen Beschilderung zusammenwirken.
Die FGSV (https://www.fgsv.de/) beschreibt das M TU ausdrücklich als Ergänzung zu den RUB für Anforderungen, die dort bei temporärer Aufstellung nicht abschließend behandelt werden. Ziel sind standardisierte und flexibel einsetzbare Lösungen. Das Merkblatt enthält außerdem einen Variantenkatalog für Zeichen 458 und Ankündigungen nach den RUB sowie bemaßte Darstellungen der Zeichenfamilie 455.
Für eine Software bedeutet das: Ein „Umleitungsschild“ sollte nicht einfach ein beliebiges grafisches Objekt sein.
Hinter dem Objekt können Zeichentyp, Variante, Pfeilrichtung, Zielbezug, Piktogramm, vorgesehene Größe, Standort, Aufstellart, Gültigkeit und Zuordnung zur Route gespeichert werden. Die grafische Darstellung wird anschließend aus diesen Informationen erzeugt.
Damit lassen sich häufige Varianten wiederverwenden, ohne die konkrete Situation auf einen starren Standardfall zu reduzieren.
Wie lassen sich RUB, M TU und Verkehrszeichenplan in einem digitalen Modell verbinden?
Eine brauchbare digitale Planung benötigt mehrere miteinander verbundene Ebenen.
Die erste Ebene ist die Arbeitsstelle. Sie enthält den eigentlichen Eingriff in den Verkehrsraum: Sperrbereich, Bauabschnitt, Zeitraum, Fahrbahn, Geh- und Radwege, Zufahrten und gegebenenfalls mehrere Bauphasen.
Die zweite Ebene ist die verkehrliche Auswirkung. Eine halbseitige Sperrung benötigt eine andere Planung als eine Vollsperrung. Bei einer Vollsperrung kann wiederum unterschieden werden, ob Anliegerverkehr möglich bleibt, ob der ÖPNV separat geführt wird oder ob Schwerverkehr eine andere Route benötigt.
Die dritte Ebene ist die Umleitungsroute. Hier werden Ableitung, Verlauf und Rückführung als zusammenhängende Geometrie gespeichert.
Die vierte Ebene bilden die Verkehrszeichenstandorte. Sie besitzen einen geografischen Standort, eine Orientierung zur Fahrtrichtung und eine Beziehung zu einem bestimmten Knoten oder Streckenabschnitt.
Darüber liegt die Plan- und Genehmigungsebene. Sie dokumentiert, welche Fassung beantragt, welche durch die Behörde geändert und welche schließlich angeordnet wurde.
Das Entscheidende daran ist die Abhängigkeit zwischen den Ebenen. Wird die Umleitungsroute geändert, sollte der Planer sehen, welche Verkehrszeichen davon betroffen sind. Wird eine Bauphase zeitlich verschoben, müssen die für diese Phase vorgesehenen Beschilderungen denselben Gültigkeitszeitraum erhalten. Wird die Anordnung geändert, darf die alte Planfassung nicht versehentlich als Aufbauunterlage an die Kolonne gelangen.
Damit wird der Verkehrszeichenplan nicht abgeschafft. Er wird zum lesbaren Ergebnis eines strukturierten Planungsmodells.
Welche Informationen sollte ein digitaler Umleitungsplan tatsächlich speichern?
Eine gute Datenstruktur geht über Koordinaten und Verkehrszeichennummern hinaus. Bei einem Schild können neben der Geoposition beispielsweise Straße, Fahrtrichtung, Blickrichtung, Stationierung oder Netzknotenbezug, Zeichentyp, Variante, Aufstellungsart, Gültigkeitsphase und ein Foto- oder Bestandsbezug hinterlegt werden.
Bei der Route kommen Zielgruppe und Verkehrseignung hinzu. Eine Route für Pkw ist nicht automatisch für Schwerverkehr geeignet. Eine kommunale Umleitung kann Haltestellen beeinflussen, eine vorhandene Fahrradstraße kreuzen oder eine Feuerwehrzufahrt betreffen. Deshalb sollte die Route neben ihrer Geometrie auch fachliche Eigenschaften tragen.
Besonders wertvoll ist außerdem die Erfassung vorhandener Beschilderung.
Ein digitaler Bestandslayer ermöglicht dem Planer, temporäre Zeichen nicht isoliert zu betrachten. Vorhandene Wegweiser, Vorschriftzeichen, Zusatzzeichen und bereits eingerichtete Baustellen können im Plan berücksichtigt werden. Änderungen wie temporäres Abdecken, Außerkraftsetzen oder Ergänzen lassen sich anschließend unmittelbar einem bestehenden Objekt zuordnen.
Der Vorteil liegt weniger in einer schöneren Karte als in der Nachvollziehbarkeit: Das System weiß, warum ein Schild dort steht und welche Planungsentscheidung dahinterliegt.
Warum sollte der Verkehrszeichenplan nicht als erste und einzige Datenquelle dienen?
In vielen heutigen Abläufen wird der Verkehrszeichenplan im CAD-, GIS- oder Zeichenprogramm erstellt und anschließend als PDF verschickt. Danach beginnt ein bekanntes Problem: Das PDF wird faktisch zum Datenspeicher.
Die Disposition liest daraus den Materialbedarf. Die Kolonne sucht darin die Standorte. Die Behörde markiert Änderungen. Für die Abrechnung werden Mengen erneut ermittelt. Bei einer Änderung wird kopiert, überschrieben oder eine weitere Datei mit Bezeichnungen wie „final“, „final_neu“ oder „final_2“ erzeugt.
Das ist für visuelle Kommunikation brauchbar, für durchgängige Datenverarbeitung jedoch ungünstig.
Digital wäre die umgekehrte Richtung sinnvoll: Verkehrszeichen, Standorte, Route und Bauphasen werden strukturiert gespeichert. Der Verkehrszeichenplan wird aus diesem Bestand erzeugt. Ebenso können daraus Materiallisten, Aufbaulisten, Kontrollpunkte oder mobile Arbeitsaufträge entstehen.
Ein Verkehrszeichen erhält damit nur einmal seine Identität. Planung, Lager, Aufbau und Kontrolle greifen anschließend auf dasselbe Objekt zurück.
Gerade bei größeren Umleitungen mit vielen Knoten reduziert das den Aufwand bei Änderungen erheblich.
Was läuft bei der Planung temporärer Umleitungen in der Praxis häufig schief?
Ein typischer Fehler entsteht, wenn die Route zwar funktioniert, die Beschilderung aber nur an den offensichtlichen Abbiegestellen betrachtet wurde.
Auf einer längeren Strecke gibt es oft Kreuzungen, an denen der Verkehr geradeaus fahren soll. Fehlt dort eine Fortsetzungsinformation, kann insbesondere ortsfremder Verkehr unsicher werden. Dasselbe gilt nach Kreisverkehren oder komplexeren Knoten, an denen die gewünschte Richtung nicht automatisch aus der normalen Wegweisung hervorgeht.
Ein zweites Problem sind konkurrierende Ziele. Eine gelbe Umleitung weist in eine Richtung, während die vorhandene Wegweisung für das ursprüngliche Ziel in eine andere Richtung zeigt. Der einzelne temporäre Wegweiser kann formal richtig platziert sein und im Gesamteindruck trotzdem eine problematische Führung erzeugen.
Auch Bauphasen führen regelmäßig zu zusätzlicher Arbeit. In Phase eins ist eine Fahrbeziehung noch möglich, in Phase zwei nicht mehr. Werden alle Verkehrszeichen in einem einzigen statischen Plan geführt, entsteht schnell Unsicherheit darüber, welche Elemente zu welchem Zeitpunkt draußen stehen müssen.
Schließlich werden Nebenwirkungen auf andere Verkehrsarten leicht zu spät entdeckt. Das M TU bezieht ausdrücklich auch Fuß- und Radverkehr ein. Bei einer Vollsperrung für den motorisierten Verkehr kann der Radverkehr möglicherweise durch die Arbeitsstelle geführt werden, eine eigene Umleitung benötigen oder durch die gewählte Kraftfahrzeugumleitung selbst beeinträchtigt werden.
Digital lassen sich solche Abhängigkeiten bereits während der Planung als Prüfpunkte abbilden.
Wie könnte ein konkreter Anwendungsfall digital bearbeitet werden?
Angenommen, eine Landesstraße wird im Bereich einer Ortsdurchfahrt für mehrere Tage vollständig gesperrt. Der Verkehr soll vor dem Ort auf eine Kreisstraße abgeleitet, über zwei Nachbarorte geführt und hinter dem Arbeitsbereich wieder auf die Landesstraße zurückgeführt werden.
Im ersten Schritt wird nicht beschildert, sondern modelliert.
Das System enthält die Sperrgeometrie und kennt Beginn und Ende der Arbeitsstelle. Anschließend wird eine Umleitungsroute ausgewählt. Jeder Knoten auf dieser Strecke wird bewertet: Muss der Verkehr dort abbiegen? Gibt es konkurrierende Wegweisung? Muss die Umleitung bestätigt werden? Gibt es einen Kreisverkehr? Kann der Schwerverkehr den Abschnitt nutzen? Werden Linienbusse oder Schulwege betroffen?
Danach entstehen die Verkehrszeichenobjekte.
Am Ableitepunkt werden Ankündigung und Richtungsinformation vorgesehen. Auf der Route folgen notwendige Fortsetzungen. Vor komplizierteren Situationen kann eine Planskizze nach Zeichen 458 eingesetzt werden, sofern sie für die konkrete Planung geeignet und entsprechend angeordnet wird. Die möglichen temporären Varianten werden auf Basis von RUB und M TU ausgewählt.
Der Verkehrszeichenplan wird anschließend aus derselben Datenbasis erzeugt, aus der auch die Materialliste entsteht.
Ändert die Behörde nun die Route an einem Knoten, wird nicht eine Zeichnung unabhängig von der Materialplanung geändert. Stattdessen erhält die Route eine neue Version. Betroffene Schilder werden angezeigt, die Materialliste wird aktualisiert und die neue Planfassung kann erneut ausgegeben werden.
Nach der Anordnung wird diese Fassung zum Soll-Zustand für den Aufbau.
Die Kolonne kann später mobil jeden Standort aufrufen, die vorgesehene Beschilderung sehen und den Aufbau dokumentieren. Damit verbindet sich Planung mit Ausführung, ohne dass der Verkehrszeichenplan seine Funktion als genehmigtes Projektdokument verliert.
Warum ist Versionsmanagement bei Umleitungsplänen wichtiger als ein schönes Kartenbild?
Bei Verkehrssicherungsprojekten ändern sich Entwürfe häufig während der Abstimmung. Eine Behörde verlangt eine andere Ableitung, ein Straßenbaulastträger weist auf eine weitere Maßnahme hin, der ÖPNV benötigt eine Durchfahrt oder eine vorgesehene Strecke erweist sich für bestimmte Fahrzeuge als ungeeignet.
Das Problem ist nicht die Änderung selbst. Das Problem entsteht, wenn nach der Änderung verschiedene Planstände gleichzeitig weiterverwendet werden.
Ein digitales System sollte deshalb nicht lediglich Dateien speichern, sondern Planstände kennen.
Ein Plan könnte beispielsweise den Status Entwurf, zur Prüfung, behördlich geändert, angeordnet, in Aufbau, aktiv und aufgehoben besitzen. Schilder und Routenänderungen werden dem jeweiligen Planstand zugeordnet. Frühere Fassungen bleiben historisch nachvollziehbar, sind aber nicht mehr als aktuelle Aufbauunterlage auswählbar.
Auch die verkehrsrechtliche Grundlage spricht dafür, den angeordneten Zustand nicht mit einem beliebigen späteren Entwurf zu vermischen. § 45 Absatz 6 StVO verpflichtet den Unternehmer, die behördlichen Anordnungen zu befolgen.
Für die Praxis ist dieser Punkt oft wichtiger als eine weitere grafische Funktion im Zeichenprogramm.
Wie lassen sich Aufstellung und Kontrolle direkt aus der Planung ableiten?
Wenn jedes temporäre Verkehrszeichen als strukturiertes Objekt vorhanden ist, kann aus dem Verkehrszeichenplan unmittelbar ein Aufbauauftrag entstehen.
Die Kolonne erhält nicht nur ein mehrseitiges PDF, sondern eine Reihenfolge von Standorten. Ein Standort kann auf der Karte geöffnet werden. Hinterlegt sind Zeichen, Variante, Ausrichtung und gegebenenfalls ein Ausschnitt aus dem angeordneten Plan. Nach der Aufstellung kann ein Foto ergänzt und der Standort als aufgebaut markiert werden.
Beim Kontrollgang wird dasselbe Objekt verwendet.
Damit lässt sich prüfen, ob das Zeichen vorhanden ist, ob es noch in der vorgesehenen Lage steht, ob es sichtbar und funktionsfähig ist und ob die zugrunde liegende Bauphase weiterhin aktiv ist. Bei einem Mangel muss nicht erst ermittelt werden, welches Schild aus welchem Plan betroffen ist.
Die Planung erzeugt auf diese Weise zugleich die digitale Struktur für Aufbau, Kontrolle, Änderung und Abbau.
Besonders bei längeren Umleitungsstrecken ist das relevant. Anders als die eigentliche Arbeitsstelle kann sich die Beschilderung über mehrere Kilometer, zahlreiche Kreuzungen und möglicherweise mehrere kommunale Gebiete verteilen.
Kann Software automatisch prüfen, ob eine Umleitung vollständig beschildert ist?
Teilweise.
Ein System kann sehr gut regelbasierte Prüfungen durchführen. Es kann erkennen, dass eine Route einen Knoten mit Richtungswechsel enthält, zu dem noch kein Beschilderungsobjekt zugeordnet wurde. Es kann feststellen, dass ein Verkehrszeichen außerhalb der Gültigkeitsphase liegt, dass zwei Planstände gleichzeitig als aktiv markiert sind oder dass eine Route durch einen gesperrten Abschnitt läuft.
Auch ein Abgleich mit vorhandenen Geodaten ist möglich. Gewichtsbeschränkungen, Durchfahrtshöhen, Einbahnstraßen oder andere bekannte Netzrestriktionen können als Warnhinweise in die Planung einfließen, sofern verlässliche Daten verfügbar sind.
Was Software nicht ohne Weiteres ersetzen kann, ist die fachliche Bewertung der konkreten Örtlichkeit.
Sichtbeziehungen, tatsächliche Aufstellmöglichkeiten, Baustellenzufahrten, lokale Verkehrsmuster oder kurzfristige Veränderungen lassen sich nicht aus jedem Datenbestand zuverlässig ableiten. Ein digitales System sollte deshalb Entscheidungen vorbereiten und Inkonsistenzen finden, nicht die verantwortliche Planung und behördliche Anordnung ersetzen.
Welche Rolle kann KI bei der digitalen Umleitungsplanung übernehmen?
KI ist besonders dort interessant, wo viele Informationen zusammengeführt werden müssen.
Sie kann beispielsweise eine Anordnung oder Projektbeschreibung auslesen und daraus einen ersten strukturierten Entwurf für Sperrart, Zeitraum und betroffene Verkehrsarten erzeugen. Sie kann vorhandene Planstände vergleichen und Veränderungen beschreiben. Ebenso kann sie darauf hinweisen, dass eine vorgesehene Route an einer bestimmten Stelle möglicherweise mit einer bekannten Beschränkung kollidiert oder dass ein Knoten noch keine zugeordnete Fortsetzungsbeschilderung besitzt.
Auch bei der Qualitätssicherung von Planunterlagen ist Unterstützung denkbar. Ein System kann prüfen, ob Schilder aus einer Materialliste tatsächlich im Plan vorkommen, ob Plan und Aufbauauftrag denselben Versionsstand besitzen oder ob Beschilderungen aus einer vorherigen Bauphase noch aktiv geführt werden.
Die Entscheidung über eine verkehrsrechtlich relevante Maßnahme darf daraus jedoch nicht zu einem ungeprüften Automatismus werden. Die Zuständigkeiten aus § 45 StVO und die fachlichen Anforderungen der jeweiligen Regelwerke bleiben bestehen.
Die stärkste Anwendung liegt deshalb weniger im „KI zeichnet automatisch einen fertigen Verkehrszeichenplan“ als in einem digitalen Planungsassistenten, der Routendaten, Regelwissen, Bestandsinformationen und Projektstatus zusammenführt.
Warum ist die Digitalisierung für mittelständische Verkehrssicherungsunternehmen besonders interessant?
Bei kleinen Projekten funktioniert ein PDF-basierter Ablauf oft erstaunlich lange. Der Aufwand wird erst sichtbar, wenn viele Projekte parallel laufen, Änderungen kurzfristig eintreffen und dieselben Daten von Planung, Disposition, Lager, Außendienst und Abrechnung benötigt werden.
Eine Umleitung ist dafür ein gutes Beispiel.
Der Planer setzt vielleicht 40 temporäre Schilder. Die Disposition muss wissen, welches Material benötigt wird. Das Lager muss kommissionieren. Die Kolonne benötigt eine Aufbaufolge. Der Projektleiter muss den angeordneten Planstand kennen. Später müssen Kontrollen dokumentiert und alle temporären Einrichtungen wieder eingesammelt werden.
Wenn jeder Prozess seine Informationen aus dem PDF neu ableitet, entsteht mehrfach dieselbe Arbeit.
Bei einem datenorientierten Ansatz wird aus dem Verkehrszeichen im Plan gleichzeitig ein Materialobjekt, ein Aufstellpunkt und ein Kontrollobjekt. Die Umleitungsroute wird zugleich Planungsgeometrie und Grundlage für die Reihenfolge der Standorte.
Genau darin liegt der praktische Nutzen digitaler Umleitungsplanung: Nicht das Zeichnen des Verkehrszeichens wird zum entscheidenden Schritt, sondern die durchgängige Nutzung derselben Projektinformationen vom Entwurf bis zum Abbau.
Welche Regelwerksentwicklung sollte bei neuen digitalen Lösungen berücksichtigt werden?
Wer heute eine Softwarelösung aufbaut, sollte die Regelwerke nicht fest in Programmlogik einbetonieren.
Im aktuellen Veröffentlichungskatalog 2026 der FGSV (https://www.fgsv.de/) werden weiterhin RUB Ausgabe 2021 und M TU Ausgabe 2022 geführt. Gleichzeitig führt die FGSV einen Arbeitskreis 3.5.3 mit der Bezeichnung „Überarbeitung der RUB“. Auch der Industrieverband Straßenausstattung e. V., IVSt (https://www.ivst.de/), verweist auf Arbeiten, bei denen unter anderem Erkenntnisse aus dem temporären Bereich einfließen sollen.
Für Softwarearchitektur ist das ein wichtiger Hinweis.
Zeichenvarianten, Prüfregeln, Regelwerksreferenzen und Planvorlagen sollten versionierbare Konfigurationen sein. Wird später eine neue Ausgabe eingeführt, sollte nicht die gesamte Anwendung umgebaut werden müssen. Ein Projekt muss außerdem weiterhin erkennen lassen, auf welchem Regelwerksstand seine Planung beruhte.
Das ist gerade bei länger laufenden Projekten relevant: Der aktuelle Regelwerksstand zum Zeitpunkt einer neuen Planung muss nicht mit dem Stand eines Jahre zuvor genehmigten Projektes identisch sein.
Quellen der verwendeten Kennzahlen
FGSV – RUB: 48 Seiten, Ausgabe 2021
https://www.fgsv-verlag.de/rub
FGSV – M TU: 52 Seiten, Ausgabe 2022
https://www.fgsv-verlag.de/m-tu
FGSV – RSA 21: insgesamt 96 veröffentlichte Regelpläne für innerörtliche Straßen, Landstraßen und Autobahnen
https://www.fgsv-verlag.de/rsa-21-pdf
Interessante Links
Bundesministerium für Verkehr – Allgemeines Rundschreiben Straßenbau 24/2021 zur RSA 21
https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/StB/ars-aktuell/allgemeines-rundschreiben-strassenbau-2021-24.html
Bundesministerium der Justiz – § 45 Straßenverkehrs-Ordnung: Verkehrszeichen, Arbeitsstellen und Umleitungen
https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__45.html
FGSV – Arbeitskreis 3.5.3 zur Überarbeitung der RUB
https://www.fgsv.de/netzwerk/gremien/ag-3-verkehrsmanagement/35-verkehrszeichen-verkehrseinrichtungen/353-merkblatt-fuer-den-einsatz-von-temporaerer-umleitungsbeschilderung
Was regeln die RUB bei einer temporären Umleitung?
Die RUB beschreiben die grundlegende Systematik für Umleitungsbeschilderungen, einschließlich Umleitungen außerhalb von Autobahnen und Bedarfsumleitungen im Autobahnverkehr. Für eine konkrete Arbeitsstelle ersetzen sie weder die örtliche Planung noch die verkehrsrechtliche Anordnung. Sie liefern vielmehr Regeln für Aufbau, Gestaltung und Führung der Umleitungsbeschilderung, auf denen die projektbezogene Planung aufsetzt.
Wofür wird das M TU zusätzlich zu den RUB benötigt?
Das M TU behandelt Besonderheiten temporär aufgestellter Umleitungsbeschilderung, die in den RUB nicht abschließend ausgeführt werden. Dazu gehören Gestaltung, Aufstellung, Zeichengrößen, lichttechnische Anforderungen und standardisierte Varianten. Das Merkblatt betrachtet außerdem unterschiedliche Straßenarten sowie Fuß- und Radverkehr und enthält umfangreiche Varianten für temporäre Beschilderungen mit den Zeichen 455 und 458.
Welche Rolle spielt der Verkehrszeichenplan bei einer Umleitung?
Der Verkehrszeichenplan überträgt die abstrakten Anforderungen auf das konkrete Projekt. Er zeigt Sperrung, Verkehrsführung, Verkehrszeichen und relevante Standorte. Nach § 45 Absatz 6 StVO müssen Bauunternehmer bei Arbeiten mit Auswirkungen auf den Straßenverkehr grundsätzlich einen Verkehrszeichenplan zur behördlichen Anordnung vorlegen. Die angeordnete Fassung bildet anschließend die maßgebliche Grundlage für die Umsetzung.
Sind RUB und RSA 21 dasselbe Regelwerk?
Nein. Die RUB befassen sich mit Umleitungsbeschilderungen, während die RSA 21 die verkehrsrechtliche Sicherung von Arbeitsstellen an Straßen behandeln. Bei einer Vollsperrung können beide Themen im selben Projekt zusammentreffen: Die RSA betreffen beispielsweise die Sicherung des Arbeitsbereichs, während RUB und M TU für die daraus erforderliche Umleitungsbeschilderung relevant werden.
Kann eine Umleitungsroute automatisch aus einer Karte berechnet werden?
Technisch lässt sich eine Route berechnen, doch die kürzeste Verbindung ist nicht automatisch als Umleitungsstrecke geeignet. Fahrzeugbeschränkungen, Straßenquerschnitt, bestehende Sperrungen, ÖPNV, lokale Verkehrsführung und andere Rahmenbedingungen müssen berücksichtigt werden. Software kann geeignete Varianten vorschlagen und bekannte Restriktionen prüfen, die fachliche Bewertung der tatsächlichen Strecke bleibt jedoch ein eigenständiger Planungsschritt.
Welche Daten sollten für jedes temporäre Umleitungsschild gespeichert werden?
Neben Verkehrszeichentyp und geografischem Standort sind Fahrtrichtung, Ausrichtung, Variante, Zuordnung zur Umleitungsroute, Bauphase und Gültigkeitszeitraum hilfreich. Zusätzlich können Aufstellart, Bestandsbezug, Materialkennung und Kontrollstatus gespeichert werden. Dadurch bleibt dasselbe Verkehrszeichenobjekt von der Planung über Kommissionierung und Aufbau bis zu Kontrolle und späterem Abbau durchgängig nutzbar.
Wie werden Zeichen 455 und Zeichen 458 bei temporären Umleitungen eingesetzt?
Die Zeichenfamilie 455 dient der Ankündigung beziehungsweise Fortsetzung einer Umleitung, während Zeichen 458 eine Planskizze ermöglicht. Welche Variante im konkreten Fall angeordnet wird, hängt von Verkehrsführung und Örtlichkeit ab. Das M TU enthält für temporäre Anwendungen einen standardisierten Variantenkatalog und bemaßte Darstellungen, auf die digitale Planungswerkzeuge zurückgreifen können.
Muss auch der Rad- und Fußverkehr in der Umleitungsplanung berücksichtigt werden?
Ja, wenn die Arbeitsstelle oder ihre Verkehrsführung diese Verkehrsarten betrifft. Das M TU behandelt temporäre Umleitungsbeschilderung ausdrücklich auch für Fuß- und Radverkehr. Eine Kraftfahrzeugumleitung darf deshalb nicht isoliert betrachtet werden. Je nach Situation können separate Routen, zusätzliche Beschilderung oder Anpassungen bestehender Rad- und Fußverkehrsführungen erforderlich werden.
Wie lassen sich Änderungen einer behördlich abgestimmten Umleitung digital verwalten?
Am sinnvollsten werden Routen, Verkehrszeichen und Verkehrszeichenplan versioniert. Eine Änderung erzeugt einen neuen Planstand, während die vorherige Fassung historisch erhalten bleibt. Für Aufbau und Kontrolle darf anschließend nur die freigegebene beziehungsweise angeordnete Fassung verwendet werden. Dadurch können Planer, Disposition und Außendienst nachvollziehen, welche Beschilderung zu welcher Projektphase gehört.
Kann KI einen Verkehrszeichenplan nach RUB und M TU vollständig erstellen?
KI kann Planer bei Datenübernahme, Variantenvergleich, Plausibilitätsprüfungen und der Erkennung fehlender oder widersprüchlicher Angaben unterstützen. Eine automatisch erzeugte Planung ersetzt jedoch weder fachliche Bewertung noch behördliche Anordnung. Besonders Streckeneignung, Sichtbeziehungen, tatsächliche Aufstellbedingungen und örtliche Besonderheiten erfordern belastbare Ausgangsdaten und verantwortliche Prüfung. Die Zuständigkeiten nach § 45 StVO bleiben davon unberührt.

