Digitale Abnahme der Verkehrssicherung: Aufbaukontrolle, Mängel und Nachweise strukturiert dokumentieren

Eine digitale Abnahme der Verkehrssicherung überführt Aufbaukontrolle, Mängelerfassung und Nachweise in einen einheitlichen, nachvollziehbaren Ablauf. Statt Fotos, Papierlisten und Messenger-Nachrichten getrennt zu verwalten, werden Verkehrszeichenplan, Standort, Zeitstempel, Bilder, Abweichungen und Nachbesserungen zusammengeführt. So lassen sich Arbeitsstellen schneller prüfen, Mängel gezielt bearbeiten und spätere Kontrollfahrten auf belastbare Ausgangsdaten stützen.

Warum wird die digitale Abnahme der Verkehrssicherung zum entscheidenden Übergabepunkt?

Eine Verkehrssicherung ist mit dem letzten aufgestellten Verkehrszeichen noch nicht fertig. Erst wenn die eingerichtete Verkehrsführung gegen die verkehrsrechtliche Anordnung, den Verkehrszeichenplan, die projektspezifischen Vorgaben und die technischen Anforderungen geprüft wurde, entsteht ein belastbarer Ausgangszustand für den weiteren Betrieb der Arbeitsstelle.

Genau an dieser Stelle treffen im Tagesgeschäft mehrere Beteiligte aufeinander. Die Montagekolonne hat aufgebaut, der Bauleiter möchte mit den eigentlichen Arbeiten beginnen, die Disposition benötigt einen Status, der Auftraggeber erwartet die vereinbarte Leistung und gegebenenfalls findet zusätzlich eine behördliche Überprüfung statt. Werden diese Schritte nur über Telefonate, handschriftliche Listen und einzelne Fotos koordiniert, fehlen später häufig Zusammenhänge.

Das technische Regelwerk behandelt diese Phase nicht als Nebensache. Die ZTV-SA umfasst ausdrücklich Themen wie Kontrolle und Wartung, Abnahme und Prüfungen. Die weiterhin geführte Ausgabe stammt aus 1997 beziehungsweise dem berichtigten Nachdruck von 2001. Die FGSV weist gleichzeitig darauf hin, dass Änderungen zu den Abschnitten über transportable Lichtsignalanlagen aus dem ARS 7/2024 zu berücksichtigen sind und die ZTV-SA insgesamt fortgeschrieben wird.

Daneben gelten die RSA 21 für die verkehrsrechtliche Sicherung von Arbeitsstellen an und auf Straßen. Sie haben die RSA-95 ersetzt und unterscheiden zwischen innerörtlichen Straßen, Landstraßen und Autobahnen.

Digitalisierung verändert diese fachlichen Anforderungen nicht. Sie kann aber dafür sorgen, dass der tatsächliche Aufbauzustand nicht irgendwo zwischen Kolonnenzettel, Smartphone-Galerie und Büroablage verschwindet.

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Was sollte bei einer digitalen Aufbaukontrolle tatsächlich geprüft werden?

Eine gute digitale Abnahme beginnt nicht mit möglichst vielen Formularfeldern. Ausgangspunkt sollte der Soll-Zustand der konkreten Arbeitsstelle sein. Im Idealfall wird deshalb der freigegebene Verkehrszeichenplan direkt mit der Kontrolle verknüpft.

Der Prüfer sieht nicht einfach eine allgemeine Liste mit Punkten wie „Beschilderung geprüft“, sondern die für diesen Auftrag erwartete Konfiguration: Vorankündigung, Geschwindigkeitsbeschränkungen, Fahrstreifentafeln, Absperrschranken, Leitbaken, Warnleuchten, temporäre Markierung, Querungen, Fußgängerführung, Radverkehrsführung, transportable Schutzeinrichtungen, Lichtsignalanlage oder weitere projektspezifische Elemente.

In der Praxis gehören insbesondere folgende Fragen in die Aufbaukontrolle:

  • Sind alle angeordneten Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen vorhanden und an der vorgesehenen Position aufgestellt?
  • Stimmen Verkehrsführung, Fahrstreifenbreiten, Verschwenkungen, Sperrflächen und Übergänge mit Plan und Anordnung überein?
  • Sind Verkehrszeichen aus Fahrtrichtung erkennbar, richtig ausgerichtet und nicht durch Vegetation, Baumaschinen oder andere Einrichtungen verdeckt?
  • Sind Warnleuchten, transportable Lichtsignalanlagen und sonstige aktive Einrichtungen betriebsbereit?
  • Sind Leitelemente, Absperrungen, Markierungen und gegebenenfalls Fahrzeug-Rückhaltesysteme vollständig und ordnungsgemäß eingebaut?
  • Ist die Führung von Fußgängern und Radfahrern tatsächlich nutzbar und nicht nur im Plan vorgesehen?
  • Wurden nicht mehr geltende Verkehrszeichen abgedeckt, entfernt oder entsprechend der Anordnung behandelt?
  • Gibt es Abweichungen zwischen Planung und tatsächlicher örtlicher Situation?

Diese Prüfung sollte sich nicht auf eine Momentaufnahme aus Sicht des Monteurs beschränken. Besonders hilfreich ist eine festgelegte Fotologik entlang der Fahrtrichtung: Annäherung, Vorwarnbereich, Übergangsbereich, Arbeitsbereich, besondere Gefahrenstellen und Ende der Arbeitsstelle. Dadurch entsteht eine Bildfolge, die auch später noch verständlich bleibt.

Wie sollte ein digitaler Abnahmeprozess aufgebaut sein?

In einem mittelständischen Verkehrssicherungsunternehmen muss der Ablauf vor allem mit dem Baustellenalltag funktionieren. Ein System, das für eine einfache Dokumentation zehn Minuten zusätzliche Büroarbeit auf dem Smartphone verlangt, wird unter Zeitdruck umgangen.

Praktikabler ist ein mehrstufiger Ablauf.

Zunächst wird der Auftrag aus der Disposition übernommen. Die Kolonne sieht Auftragsnummer, Einsatzort, Verkehrszeichenplan, verkehrsrechtliche Anordnung, Ansprechpartner und besondere Hinweise. Nach dem Aufbau wird nicht einfach „fertig“ gemeldet, sondern der Status wechselt auf „Aufbaukontrolle erforderlich“.

Der Verantwortliche öffnet den Auftrag vor Ort. Die Prüfpunkte sind bereits dem Projekt zugeordnet. Fotos erhalten automatisch den Auftrag, den Kontrollpunkt, Datum und Uhrzeit. Standortdaten können zusätzlich dokumentiert werden, soweit dies betrieblich und datenschutzrechtlich vorgesehen ist.

Ein festgestellter Mangel erzeugt anschließend keinen Freitext in einem allgemeinen Kommentarfeld, sondern einen eigenen Vorgang. Er bekommt eine Kategorie, Priorität, Beschreibung, Foto, Zuständigkeit und Status. Nach der Nachbesserung dokumentiert die Kolonne den korrigierten Zustand. Erst anschließend wird der Punkt geschlossen.

Damit wird aus der Abnahme ein Prozess und nicht lediglich eine Sammlung von Bildern.

Welche Mängel treten bei der Aufbaukontrolle in der Praxis besonders häufig auf?

Viele Abweichungen sind unspektakulär und gerade deshalb gefährlich für die Dokumentation. Eine Barke steht einige Meter versetzt, ein Schild wurde nach der Montage verdreht, eine Zufahrt erforderte vor Ort eine andere Führung oder eine mobile Absperrung wurde wegen einer Anlieferung kurzfristig geöffnet.

Typisch sind außerdem fehlende Zusatzzeichen, nicht abgedeckte Bestandsbeschilderung, unterschiedliche Abstände zwischen Leitelementen, ungeeignete Standorte von Aufstellvorrichtungen, verschmutzte Reflexflächen, beschädigte Einrichtungen oder Änderungen, die zwar mit jemandem telefonisch abgestimmt wurden, aber nicht in die Projektakte gelangten.

BG BAU weist darauf hin, dass fehlende oder falsche Baustellensicherung beziehungsweise Beschilderung unter anderem dazu führen kann, dass Personen von Fahrzeugen erfasst oder angefahren werden.

Ein weiterer Praxisfall entsteht durch den Baufortschritt. Die ursprüngliche Sicherung war am Montag korrekt, doch am Mittwoch wurde die Baugrube verlängert, eine Grundstückszufahrt geöffnet oder der Arbeitsbereich verschoben. Genau deshalb sollten Abnahme und spätere Kontrolle technisch miteinander verbunden sein: Der zuletzt bestätigte Zustand bildet die Referenz für die nächste Prüfung.

Wie unterscheiden sich Papier, Fotoordner und eine strukturierte digitale Abnahme?

KriteriumPapierformularFotos und DateiablageStrukturierte digitale Abnahme
Zuordnung zum Auftragmanuellhäufig über Ordnernamendirekt über Auftrags-ID
Soll-Ist-PrüfungChecklistenur eingeschränktVerkehrszeichenplan und Prüfpunkte verknüpfbar
MängelverfolgungNachtrag erforderlichmeist separate Kommunikationeigener Mangelstatus mit Verantwortlichem
Fotodokumentationseparatvorhanden, aber oft ohne Kontextjedem Prüfpunkt und Mangel zugeordnet
Nachbesserungschwer nachzuverfolgenVorher-Nachher manuellgeschlossener Mangelprozess
spätere Kontrollfahrtenneue Dokumentationneue FotomengenAusgangszustand bleibt als Referenz verfügbar
Auswertungaufwendigeingeschränktnach Auftrag, Mangelart, Standort oder Status möglich

Papier ist nicht automatisch ungeeignet. Für einen einzelnen kleinen Auftrag kann ein ordentlich geführtes Formular funktionieren. Probleme entstehen vor allem dann, wenn ein Unternehmen gleichzeitig viele Arbeitsstellen, wechselnde Kolonnen, Kontrollfahrten, Nachbesserungen und verschiedene Auftraggeber betreut.

Dann wird nicht das Ausfüllen zum Engpass, sondern das Wiederfinden und Zusammenführen.

Wie werden Fotos, Zeitstempel und Standortdaten zu brauchbaren Nachweisen?

Ein Foto allein beweist erstaunlich wenig. Ohne Projektbezug ist später möglicherweise nicht mehr feststellbar, welche Arbeitsstelle abgebildet wurde, wann das Bild aufgenommen wurde und ob es vor oder nach einer Nachbesserung entstand.

Deshalb sollte eine digitale Dokumentation mehrere Informationen gemeinsam speichern: Auftrag, Kontrollvorgang, Datum, Uhrzeit, Benutzer, Prüfschritt, Foto und gegebenenfalls Standort. Besonders bei längeren Arbeitsstellen ist zusätzlich die Fahrtrichtung beziehungsweise Stationierung hilfreich.

Dabei ist eine technische Grundregel wichtig: Originalnachweise sollten nicht nachträglich stillschweigend überschrieben werden. Wird ein Mangel korrigiert, bleibt die ursprüngliche Aufnahme erhalten und eine weitere Aufnahme dokumentiert den neuen Zustand. Änderungen am Datensatz sollten über einen Änderungsverlauf nachvollziehbar bleiben.

Das erzeugt eine wesentlich bessere Projektchronologie als ein Ordner mit Dateien wie IMG_4821.jpg, IMG_4822.jpg und Baustelle_neu_final2.jpg.

Wie sollten Mängel bis zur tatsächlichen Erledigung geführt werden?

Ein häufiger Fehler digitaler Formulare besteht darin, einen Mangel zwar zu erfassen, aber keinen Folgeprozess anzulegen.

„Schild verdreht“ ist keine abgeschlossene Dokumentation. Für den Betrieb entscheidend ist: Wer korrigiert es? Bis wann? Wurde die Korrektur durchgeführt? Wer hat sie überprüft?

Für typische Mängel reichen wenige Statuswerte: offen, zugewiesen, in Bearbeitung, behoben und geprüft. Sicherheitskritische Abweichungen können zusätzlich eine Eskalation auslösen.

Ein Beispiel aus der Praxis: Bei der Aufbaukontrolle fällt auf, dass ein Vorankündigungszeichen nach einer Kurve zu spät wahrgenommen werden kann. Der Prüfer dokumentiert Position und Foto und weist den Punkt dem Kolonnenführer zu. Nach der Umsetzung lädt dieser ein neues Bild hoch. Der Verantwortliche prüft die Änderung und schließt den Mangel.

Damit ist nicht nur dokumentiert, dass irgendwann ein Problem bestand. Die vollständige Bearbeitung ist rekonstruierbar.

Welche Rollen sollten bei Aufbaukontrolle und Abnahme getrennt werden?

Nicht jedes Unternehmen benötigt einen komplexen Freigabeworkflow. Eine einfache Rollentrennung verhindert jedoch, dass „aufgebaut“ und „geprüft“ automatisch dasselbe bedeuten.

Die Montagekolonne sollte den Aufbau dokumentieren und fertigmelden können. Der Verantwortliche für die Verkehrssicherung oder ein beauftragter fachkundiger Mitarbeiter führt anschließend die vorgesehene Kontrolle durch. Der Bauleiter beziehungsweise Projektleiter sieht offene Mängel und Eskalationen. Die Disposition erkennt, ob eine Arbeitsstelle betriebsbereit gemeldet wurde oder noch Nacharbeit benötigt.

Bei größeren Projekten kann zusätzlich eine Abnahme durch den Auftraggeber dokumentiert werden. Eine behördliche Überprüfung sollte dabei als eigener Vorgang geführt werden, weil sie fachlich und organisatorisch nicht mit einer internen oder vertraglichen Abnahme gleichgesetzt werden sollte.

Auch § 45 StVO zeigt, wie eng Arbeitsstellen mit der verkehrsrechtlichen Anordnung verbunden sind: Straßenverkehrsbehörden können zur Durchführung von Arbeiten im Straßenraum die Straßenbenutzung beschränken, verbieten oder den Verkehr umleiten.

Wie lässt sich die digitale Abnahme mit Kontrolle und Wartung verbinden?

Der größte praktische Nutzen entsteht, wenn die digitale Abnahme nicht als isoliertes Formular endet.

Nach der Freigabe wird der dokumentierte Aufbau zum Ausgangszustand der Arbeitsstelle. Die Kontrollfahrt am folgenden Tag muss dann nicht bei null beginnen. Der Mitarbeiter sieht den gültigen Plan, die letzte Dokumentation, frühere Mängel und besondere Prüfpunkte.

So lässt sich beispielsweise feststellen, ob ein Verkehrszeichen seit der letzten Kontrolle fehlt, ob Leitbaken verschoben wurden oder ob eine bereits reparierte Stelle erneut auffällig ist.

Die Verbindung zur Wartung ist ebenso wichtig. Die ZTV-SA behandelt Kontrolle und Wartung ausdrücklich als Teil des Regelwerks.

Die Sicherheitsrelevanz des Arbeitsstellenbereichs ist nicht nur theoretisch. Eine BASt-Forschungsdarstellung berichtet, dass sich mehr als 6 Prozent der schweren Autobahnunfälle im Bereich von Arbeitsstellen ereignen.

Für den Mittelstand bedeutet das vor allem: Abnahme, Kontrollfahrt, Mangelbearbeitung und Wartung sollten nicht in vier voneinander getrennten Ablagen leben.

Wo scheitert digitale Baustellendokumentation üblicherweise?

Das erste Problem ist die Überdokumentation. Wenn für jede Warnbake mehrere Pflichtfelder ausgefüllt werden müssen, entwickelt sich das System zum Gegner des Außendienstes.

Das zweite Problem ist fehlender Kontext. Hundert Fotos in einer App sind kaum besser als hundert Fotos in einer Smartphone-Galerie, wenn nicht ersichtlich ist, welchen Zustand oder Prüfschritt sie dokumentieren.

Das dritte Problem entsteht durch Freitext. Formulierungen wie „alles okay“, „kleine Mängel behoben“ oder „wie besprochen geändert“ sind später wenig hilfreich.

Ebenso problematisch sind nachträgliche Änderungen ohne Historie. Wird der ursprüngliche Datensatz überschrieben, geht gerade der Zustand verloren, den das System dokumentieren sollte.

Und schließlich scheitern Projekte häufig an der Verbindung zwischen Büro und Außendienst. Wenn Disposition und Projektleitung ein anderes System verwenden als die Kontrollfahrer, entstehen weiterhin Medienbrüche.

Der technische Anspruch sollte deshalb nicht lauten, möglichst viele Daten zu sammeln. Entscheidend ist eine durchgängige Kette vom Auftrag über Aufbau und Prüfung bis zur Mangelbeseitigung und späteren Kontrolle.

Warum ist die digitale Abnahme gerade für mittelständische Verkehrssicherer interessant?

Mittelständische Unternehmen führen häufig viele kleinere und mittlere Arbeitsstellen parallel aus. Das erzeugt eine andere organisatorische Situation als ein einzelnes Großprojekt mit eigener Bauleitung und umfangreicher Dokumentenorganisation.

Gleichzeitig ist die Digitalisierung im deutschen Mittelstand noch sehr unterschiedlich ausgeprägt. KfW Research berichtet aktuell, dass zuletzt 30 Prozent der mittelständischen Unternehmen Digitalisierungsprojekte durchgeführt haben.

Für Verkehrssicherungsunternehmen ist die digitale Abnahme ein vergleichsweise konkreter Einstieg, weil sie keinen vollständigen Umbau der Unternehmens-IT verlangt. Schon die Verbindung aus Auftrag, Plan, mobilem Prüfprozess, Fotodokumentation und Mängelworkflow beseitigt mehrere typische Medienbrüche.

Eine spätere Erweiterung kann Kontrollfahrten, Material, Fahrzeuge, Wartungsaufträge, Ansprechpartner, verkehrsrechtliche Anordnungen und Fristen einbeziehen. Der Vorteil liegt dann weniger in einem einzelnen digitalen Formular als in der gemeinsamen Projektakte.

Wie kann ein Unternehmen ohne großes IT-Projekt beginnen?

Für den Start reichen wenige Pflichtinformationen. Ein sinnvoller erster Prozess umfasst Auftragsnummer, Einsatzort, verantwortliche Person, Verkehrszeichenplan, Datum und Uhrzeit, standardisierte Prüfpunkte, Fotos, Mängelstatus und Abschlussvermerk.

Danach sollte mit realen Arbeitsstellen getestet werden. Besonders wertvoll sind dabei nicht die reibungslosen Fälle, sondern Baustellen mit Umplanung, fehlendem Material, Nachtaufbau, kurzfristiger Änderung oder nachträglicher Beanstandung.

Erst aus diesen Fällen wird sichtbar, welche Informationen wirklich benötigt werden.

Eine gute Faustregel aus der Praxis lautet: Alles, was ein Mitarbeiter nur deshalb dokumentiert, weil die Software danach fragt, sollte hinterfragt werden. Alles, was bei einem Unfall, einer Beanstandung, einer Nachbesserung oder einer späteren Rückfrage benötigt würde, verdient dagegen einen festen Platz im Prozess.

Die digitale Abnahme der Verkehrssicherung wird damit nicht zum zusätzlichen Verwaltungsakt. Richtig aufgebaut, verbindet sie Montage, Prüfung, Mängelbeseitigung, Projektleitung und spätere Kontrolle in einer gemeinsamen Arbeitsweise.

Kann eine App die formelle Abnahme der Verkehrssicherung ersetzen?

Nein. Eine digitale Anwendung kann Prüfung, Dokumentation, Kommunikation und Nachweisführung unterstützen, ersetzt aber weder vertraglich vereinbarte Abnahmeprozesse noch behördliche Zuständigkeiten. Entscheidend bleiben die verkehrsrechtliche Anordnung, die vereinbarten Vertragsgrundlagen, die einschlägigen Regelwerke und die jeweils zuständigen Personen. Die Software bildet den Vorgang ab und dokumentiert seine Durchführung.

Welche Dokumente sollten bei einer digitalen Abnahme hinterlegt sein?

Mindestens sollten die für den Auftrag relevanten Unterlagen erreichbar sein, insbesondere Verkehrszeichenplan, verkehrsrechtliche Anordnung und projektspezifische Vorgaben. Je nach Arbeitsstelle können weitere Dokumente hinzukommen. Wichtig ist, dass der Außendienst mit der tatsächlich gültigen Version arbeitet und nicht auf alte Pläne aus E-Mail-Anhängen oder lokalen Ordnern zurückgreift.

Müssen bei der Aufbaukontrolle alle Verkehrszeichen fotografiert werden?

Eine pauschale Fotopflicht für jedes einzelne Element ist organisatorisch meist nicht sinnvoll. Die Dokumentation sollte den Aufbauzustand ausreichend abbilden und besondere oder kritische Punkte gezielt erfassen. Bei komplexen Arbeitsstellen können zusätzliche Detailbilder erforderlich sein. Sinnvoll ist eine standardisierte Fotofolge entlang der Verkehrsführung, ergänzt um Aufnahmen von Abweichungen und Nachbesserungen.

Wie sollten nachträgliche Änderungen an der Verkehrssicherung dokumentiert werden?

Änderungen sollten einen eigenen Vorgang erhalten und nicht einfach die ursprüngliche Abnahmedokumentation überschreiben. Dokumentiert werden sollten Anlass, Zeitpunkt, verantwortliche Person, betroffene Elemente und der neue Zustand. Wenn eine Änderung eine behördliche Abstimmung oder geänderte Anordnung erfordert, sollte auch diese Information mit dem Vorgang verbunden werden. So bleibt die Entwicklung der Arbeitsstelle nachvollziehbar.

Was passiert mit einem Mangel nach der digitalen Erfassung?

Der Mangel sollte einer verantwortlichen Person oder Kolonne zugewiesen und bis zur Behebung verfolgt werden. Ein Foto oder Kommentar allein reicht organisatorisch nicht aus. Empfehlenswert sind Status, Priorität, Frist, Nachbesserungsnachweis und abschließende Prüfung. Dadurch wird aus einer Feststellung ein bearbeitbarer Vorgang, dessen Abschluss später eindeutig dokumentiert werden kann.

Welche Rolle spielen GPS-Daten bei der digitalen Abnahme?

Standortdaten können besonders bei langen Arbeitsstellen, mehreren parallelen Einsatzorten oder schwer beschreibbaren Positionen hilfreich sein. Sie sollten jedoch nicht als alleiniger Ortsbezug verwendet werden. Auftrag, Straßenbezeichnung, Fahrtrichtung, Stationierung oder Netzknotenbezug können zusätzlich erforderlich sein. Außerdem müssen Unternehmen festlegen, wann Standortdaten benötigt werden und wie sie datenschutzgerecht verarbeitet werden.

Wie können Aufbaukontrolle und Kontrollfahrt miteinander verbunden werden?

Die Abnahme erzeugt einen dokumentierten Ausgangszustand. Dieser kann bei späteren Kontrollfahrten als Referenz angezeigt werden. Der Kontrollfahrer erkennt dadurch, welche Einrichtungen erwartet werden, welche Mängel bereits bestanden und welche Änderungen vorgenommen wurden. So entsteht eine fortlaufende Historie statt einer Reihe voneinander unabhängiger Kontrollprotokolle und Fotoordner.

Welche Fehler entstehen bei der mobilen Dokumentation besonders häufig?

Typisch sind unbeschriftete Fotos, fehlende Zuordnung zum Auftrag, zu viel Freitext, unvollständige Mangelbearbeitung und nachträglich überschriebene Datensätze. Ebenfalls problematisch sind Formulare mit zu vielen Pflichtfeldern. Gute mobile Prozesse konzentrieren sich deshalb auf wenige entscheidende Angaben und speichern Kontext wie Auftrag, Benutzer und Zeitpunkt möglichst automatisch.

Wer sollte eine digitale Abnahme abschließen dürfen?

Das hängt von Organisation, Vertrag und Arbeitsstelle ab. Technisch sollte sich jedoch festlegen lassen, welche Rollen einen Aufbau dokumentieren, Mängel bearbeiten und eine Prüfung abschließen dürfen. Dadurch kann beispielsweise eine Kolonne „Aufbau beendet“ melden, während der vorgesehene Verantwortliche anschließend die Kontrolle bestätigt. Bei Auftraggeber- oder Behördenprüfungen können zusätzliche Statusstufen vorgesehen werden.

Wie aufwendig ist die Einführung einer digitalen Abnahme im Mittelstand?

Der Aufwand hängt stärker vom Prozessumfang als von der Unternehmensgröße ab. Ein Einstieg mit Auftrag, Plan, standardisierten Prüfpunkten, Fotos und Mängelworkflow lässt sich wesentlich einfacher umsetzen als eine vollständige Bau- oder ERP-Plattform. Empfehlenswert ist ein begrenzter Pilot mit realen Arbeitsstellen und anschließender Anpassung an die Arbeitsweise von Disposition, Kolonnen und Kontrollfahrern.

Quellen der verwendeten Kennzahlen

Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt): Psychologische Wirkung von Arbeitsstellen auf die Verkehrsteilnehmer
Mehr als 6 Prozent der schweren Autobahnunfälle im Bereich von Arbeitsstellen.
https://www.bast.de/DE/Publikationen/Foko/2017-2016/2017-03.html

KfW Research: Mittelstand und Wettbewerbsfähigkeit – Digitalisierung
30 Prozent der mittelständischen Unternehmen haben zuletzt Digitalisierungsprojekte durchgeführt.
https://www.kfw.de/%C3%9Cber-die-KfW/KfW-Research/Publikationen-thematisch/Mittelstand/

Interessante Links

FGSV Verlag – ZTV-SA: Zusätzliche Technische Vertragsbedingungen und Richtlinien für Sicherungsarbeiten an Arbeitsstellen an Straßen
https://www.fgsv-verlag.de/ztv-sa

Bundesministerium für Verkehr – ARS Nr. 24/2021 zu den RSA 21
https://www.bmv.de/SharedDocs/DE/Anlage/StB/ars-aktuell/allgemeines-rundschreiben-strassenbau-2021-24.html

Gesetze im Internet – § 45 StVO: Verkehrszeichen und Verkehrseinrichtungen
https://www.gesetze-im-internet.de/stvo_2013/__45.html